Über das Loslassen.

Du warst wohl ein riesiger Teil meines Lebens. Das würde ich dir gegenüber nie zugeben, aber wir sprechen ja ohnehin nicht miteinander. Du hast mich im Stich gelassen, in dem Moment als ich dich brauchte. Ich dachte immer, du wärst genau dann für mich da. Vielleicht habe ich deswegen alles ausgehalten. Das Geschrei und die unzähligen Beschuldigungen, weil ich dachte, dass du da bist, wenn es wichtig ist. Das warst du nicht und damit hast du meinen Geduldsfaden mit dir einfach zerrissen. Ich hatte keine Geduld mehr dich ständig anzurufen und für dich da zu sein und den sinnlosen Scheiß anzuhören den du von dir gegeben hast. Jetzt gerade denke ich wieder an dich. Weil wieder eines dieser Lieder läuft, es sind so viele Lieder, die mich an die Zeit erinnern in der wir so viel gelacht haben. Es war verdammt schön, wenn man die Zeiten wegdenkt, in denen es mir wegen dir schlecht ging. Als du weg warst, war mein Leben zwar ein bisschen grauer, aber irgendwie wurde ich selbst wieder mehr zu der Person, die ich sein wollte und das war ehrlich gesagt ein verdammt schönes Gefühl. Obwohl ich ein schlechtes Gewissen hatte, dich aus meinem Kopf auszuschließen, war es wahrscheinlich das beste, was ich zu der Zeit zustande gebracht habe. Ich habe endlich aufgehört über dich nachzudenken und mich zu fragen, ob dies oder jedes denn wohl in Ordnung für dich wäre, weil du einfach keinen Platz in meinem mehr Leben hattest. Ich lernte, dass es auch Menschen gibt, die keine Probleme mit mir haben und langsam aber sicher setzte sich der Gedanke in meinem Kopf fest, dass ich all die Zeit nie etwas falsch gemacht habe, außer dem einzigen großen Fehler mich nicht gegen dich zu behaupten. Ich fühlte mich in meinem Leben nie wirklich schwach, aber gegen dich bin ich nie so richtig angekommen. Es war ein dauernder Kampf, den ich fast täglich aufs Neue verlor. Du fülltest jeden Raum aus, mit deiner lauten Stimme, mit deinen bissigen Witzen über Andere und mit deiner Art, die irgendwie trotzdem Spaß machte. Du warst wahrscheinlich zu der Zeit kein schlechter Mensch und bist es wahrscheinlich heute nicht, aber du erdrückst andere Menschen, bis sie entweder aufgeben oder fliehen. Ich habe beschlossen zu fliehen. Das war gut so. Ich wäre heute nicht die Gleiche. Vielleicht wäre ich dann immer noch diejenige, die neben dir steht und über deine Witze lacht. Nein, wir sprechen hier nicht von einer miserablen Beziehung zu Schulzeiten, sondern von einer Freundschaft, die mich im Nachhinein mehr geprägt hat als es gut ist.
Freundschaften sind so eine Sache. Ich habe in meinem jungen Leben glücklicherweise noch nicht viele wichtige Freundschaften verloren. Trotzdem will ich etwas zu diesem Thema sagen. Mit Freundschaften verhält es sich nämlich ziemlich ähnlich wie mit (Liebes-)Beziehungen: Sie können dir verdammt weh tun und dich kaputt machen. Ich denke es geht vielen Menschen so, dass sie eine Freundschaft haben, denen nicht viel Positives abzugewinnen ist. Es hört sich hart an, aber manchmal muss man Menschen gehen lassen oder selbst gehen, weil die Freundschaft, die einen mit diesem Menschen verbindet, nichts Gutes bringt. Das kann meiner Meinung nach ähnlich schmerzlich sein wie einen Partner zu verlassen, ist aber manchmal die einzig richtige Lösung. Niemand sollte sich von einer Freundschaft derart einnehmen lassen, wie ich es früher getan habe. Sonst steht man nämlich irgendwann da und fragt sich allen Ernstes, was das Ganze soll und wo die eigene Persönlichkeit geblieben ist. Eine Freundschaft sollte allen Beteiligten genug Platz geben sich zu entwickeln, in welche Richtung auch immer. Ich glaube, ich habe das nun gelernt und obwohl ich nie wieder über diese eine Freundschaft nachdenken wollte, ist es vielleicht ganz gut so, wie es ist, denn ich weiß heute ganz genau, welche Menschen ich in mein Leben lassen möchte. Und so ganz nebenbei: Ich habe richtige Herzchen gefunden, die aus meinem Leben einen fetten bunten Regenbogen machen.

Lass-los

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2 Comments

  • Reply
    Juliane Großmann
    12. März 2015 at 22:16

    Liebe Vreni,

    toller Post! Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen, da auch ich im letzten Jahr einen Menschen losgelassen habe, der mir nicht gut getan hat! Manchmal dauert es lange, bis man bemerkt, wer dir nur Energie raubt (Energievampire) und wer dich bereichert, dich belebt, dich inspiriert und dir immer wieder aufs Neue Kraft gibt. Diese Menschen lohnt es fest zu halten!

    Liebe Grüße das Atempausen-Team

    • Reply
      Vreni
      15. März 2015 at 20:26

      Danke für den Kommentar! Wie recht du hast, ich hoffe, dass wir immer mehr Menschen treffen, die es wert sind festgehalten zu werden <3

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