Generation Y

Wir sitzen im Auto. Die Sonne geht gerade unter und scheint mir noch ins Gesicht.

“Du bist still.”

“Ich denke.”

Dann schweigen wir wieder. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich diese Momente habe. Diese Momente, in denen in meinem Kopf kein Platz mehr für ein Gespräch ist, weil ich eben mal wieder ganz alleine mit meinen Gedanken bin und sein will. Es ist wie eine Unterhaltung mit mir selber, in der ich mich stundenlang verlieren kann, in der ich einfach nur nachdenke.

“Tut mir leid”, sage ich, “ist nicht böse gemeint, ich hab’ grad nur so viel im Kopf.”

Du nickst. Es ist nichts Neues, du kennst das schon.

Ich denke über mich nach, über mein Leben, über alles. In meinem Kopf überschlagen sich die Ereignisse der letzten Jahre und die Erwartungen an die kommenden. Da ist ständig dieser eine Gedanke: Es geht mehr. Ich will mehr und ich weiß nicht warum. Ich weiß nicht, was dieses “MEHR” überhaupt sein soll.

“Uns geht es doch richtig gut, oder?”

“Na klar. Hör doch endlich mal auf so viel nachzudenken.”

“Ja, das sollte ich wohl.”

Aber es lässt mich einfach nicht los. Ich will mein Leben selbst definieren. Ich will einen Beruf, der mehr als Geld verdienen für mich bedeutet. Ich will Online- und Offline-Leben gleichermaßen leben. Ich will Sicherheit und Freiheit. Ich will mich verwirklichen, aber mich darin nicht verlieren. Ich will mehr. Ich will mehr tun, was mich glücklich macht. Ich will reisen und trotzdem irgendwo zu Hause sein. Ich will mich nicht festlegen und trotzdem zufrieden sein. Ich will nie etwas tun, nur weil es im Lebenslauf hübsch aussieht. Ich will mein ganz eigenes Lebensmodell.

Ich will alles auf einmal. Ich bin ein verdammter Egoist. Ich bin Generation Y.


ENGL:

We’re driving home. It’s around sunset time and I can still feel the sun on my skin.

“You’re very quiet today.”

“I’m thinking.”

Silence again. I can’t count these moments anymore. These moments when there is no space for a conversation and I just want to be alone with my thoughts. It’s an endless discussion with myself.

“Sorry, it’s not meant to be mean.”

You’re nodding. You already know this situation.

I think about myself, my life, everything – what happened in the past few years and about the expectations for the following. There is this one thought: I want more. I want more and I don’t even know what this “more” is.

“We are doing fine, right?”

“Of course we do. Stop thinking too much.”

“Yes, I should.”

But I can’t get it out of my head. I want to define my life myself. I want a job that’s more than just earning money. I want security and freedom. I want more. I want to do more of what makes me happy. I want to travel and I want a place I call a home. I don’t want to live after certain rules. I don’t want to do things because it looks nice in my CV. I want to be satisfied with the life I’m living. I want my very own life model.

I want to have all at once. I’m a damn egoist. I’m generation Y.

 

 

 

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3 Comments

  • Reply
    Phia
    14. September 2015 at 18:07

    Ich kann sehr gut nachvollziehen, was du schreibst, bzw., was du denkst. Ständig mit der Erwartung an einen selbst zu leben, immer noch mehr, noch Besseres zu schaffen. Mich wühlt das manchmal ganz schön auf und ich bin hin und her gerissen zwischen genügsam sein und genießen und dem “immer mehr wollen”. Sehr schön geschrieben!

    • Reply
      Vreni
      21. September 2015 at 16:04

      Danke für deinen Kommentar! Schön, dass es nicht nur mir so geht. Manchmal platzt einem fast der Kopf, obwohl man doch einfach mal zufrieden sein könnte! Hoffentlich lernen wir das irgendwann noch 🙂

  • Reply
    maze
    18. September 2015 at 23:27

    das kommt mir bekannt vor. ich bin auch ein sehr nachdenklicher mensch und für mich funktioniert dieses standard konzept, das die gesellschaft vorgibt nicht. es ist schwer seinen eigenen weg zu gehen aber dies tue ich gerade. ich bin auf diesem weg. immer wieder halte ich kurz an, ruhe mich aus, denke zu viel nach, dann gehe ich weiter und halte wieder an, weil ein riesengroßer stein im weg liegt und weil ich das gefühl habe ihn nicht bezwingen zu können. und dann halte ich hin und wieder auch inne, weil einen gespräche mit anderen über den eigenen weg runterziehen, doch manchmal ziehen sie einen auch hoch.
    es ist klar, dass es nicht leicht ist… generation y beschreibt es ganz gut… meine generation unterstützt mich, spricht mir gut zu und die älteren generationen nehmen mir jeglichen mut, unterstützen mich nicht, was mich sehr traurig macht und mir den weg nicht leichter, eher schwerer, gestaltet.

    ich hoffe du gehst deinen eigenen weg, findest ihn. von mir bekommst du auf jeden fall mentale unterstützung!

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