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Nov 10, 2018

Die eine Sache, die ich gerne während meines Studiums gewusst hätte

in category Mood / Opinion

Der Blog war eine der besten Entscheidungen meines Lebens

Immer wieder kommt die Frage auf, wieso ich eigentlich angefangen habe zu bloggen und im Nachhinein lassen sich solche Dinge ja immer nur schwer erklären. Viele Gedanken im Kopf, die raus mussten. Ein Spielplatz zum Austoben musste her. Es ging einfach um Spaß, Kreativität und die Faszination Internet. Hätte ich wissen können, dass das eins der besten Dinge sein könnte, die mich Jahre später so beeinflussen würde? Wohl kaum.

Wir spulen nochmal zurück. Ich bin 19, hatte mich gerade für dieses Studium entschieden, bei dem man sich nicht entscheiden muss, weil es ein bisschen von allem ist. Ich war gerade ausgezogen und fand mich irgendwie zwischen WG-Parties und Vorlesungssaal zurecht und hatte vor allem eins nicht: eine Ahnung, was aus all dem werden soll, was ich da eigentlich mache. Trotzdem habe ich irgendwann in einer nächtlichen Aktion einen Blog aufgesetzt und einfach auf Veröffentlichen gedrückt. Von da an gab es irgendwie kein Zurück mehr, obwohl ich natürlich überhaupt keine Ahnung davon hatte, wie man bloggt. Einfach gemacht.

Jetzt mit 24 blogge ich leider gar nicht mehr so super regelmäßig, kann mir aber nicht mehr vorstellen, wie die letzten Jahre wohl gelaufen wären, gäbe es diese Spielwiese im Internet nicht. Ich habe einige meiner besten Freund*innen über das Bloggen getroffen, fühle mich in einer fremden, deutschen Stadt selten allein, weil da diese Community aus Menschen ist, auf die ich immer zurückgreifen kann. Es hat sich ein festes Netzwerk aufgebaut, das weit über das Bloggen hinaus und auf ganz unterschiedliche Weise wertvoll ist und es ist über die Jahre ganz automatisch eine Sache passiert: Leute schätzen ohne mich wirklich zu kennen meine Kompetenzen. Ich bezweifle sehr stark, dass ich einen meiner Jobs bekommen hätte, hätte ich nicht schon diesen Blog gehabt, der irgendwie gesagt hat: Hey, schau, ich hab ein Auge für Visuelles, ich habe Ideen, klemme mich an Projekte und kann netzwerken. Unbewusst ist dieser Blog auch zur Visitenkarte geworden. Dabei ist nicht wichtig, alles perfekt zu machen oder bei allem an potentielle berufliche Chancen zu denken, sondern vor allem eines: aktiv zu sein, Dinge zu machen und diese Stück für Stück weiter zu entwickeln.

Wie jetzt, also einfach einen Blog eröffnen?

Ich komme auch langsam zu dem Punkt, den ich mit diesem Post machen will. Dieser Blog ist nur ein Sinnbild dafür, dass ich während meines Studiums ein Projekt gesucht habe, an dem ich immer weiter gearbeitet habe. Könnte ich allen Studierenden da draußen nur eine Sache sagen, dann wäre es: Mach irgendwas, was dir Spaß macht und dann professionalisiere es Stück für Stück. Das wird dich über die Zeit beruflich genau da hin führen, wo du hin sollst. Das muss kein Blog sein. Vielleicht organisierst du gerne. Dann organisiere nicht nur das Sommerfest an deiner Uni, sondern ab aufs nächste Level! Such dir Leute, die dir helfen, organisiere ein losgelöstes Event, mach dir irgendwann eine Webseite. Tauch ein in die Community. Es gibt immer eine! Und dank Internet ist es so einfach wie noch nie, Gleichgesinnte zu finden. Foren, Facebook-Gruppen, Veranstaltungen in deiner Stadt. Und sollte es vielleicht wirklich noch keine geben, startest du sie einfach! Wenn du gerne schreibst, dann schreib nicht nur in dein Tagebuch, sondern schreib mal was Längeres, biete es Magazinen an, rede mit Leuten von Verlagen, was du machen könntest. Du musst nicht alle Ideen von Anfang an haben, es entwickelt sich und der Weg bringt dich erst auf die richtig guten Ideen.
Und allem voran: Erzähl allen davon. Egal, was es ist, das du gerne tust, behalte es nicht für dich! Wenn dein Umfeld weiß, wofür du brennst, kann es gut sein, dass irgendwann mal eine Email bei dir landet, in der sich eine tolle Chance auftut. Wir haben viel zu oft das Gefühl, dass wir unsere Ideen hinterm Berg halten müssen, weil sie sonst einer wegschnappt. Aber wie oft passiert das denn?
Man trifft auch Idioten ja, aber vorausgesetzt du erzählst 10 Menschen von deiner Leidenschaft Keith Haring inspirierte Tattoos zu zeichnen, wird wahrscheinlich nicht mal eine Person versuchen, das auch zu tun, aber die Freundin deines Kumpels braucht gerade dringend eine Illustratorin und denkt an dich. Es läuft gut, du machst dir irgendwann eine Webseite, zwei Jahre später musst du nicht mehr diesen blöden Nebenjob machen, der dich sowieso nicht interessiert, sondern kannst deine Fähigkeiten einsetzen und deine Leidenschaft verfolgen und weiterentwickeln. Ganz so schnell und einfach ist es zwar selten, aber ihr wisst, worauf ich hinaus will.

Ein Studium bildet und verschafft einen Abschluss. Und wenn du Glück hast ist es sogar wirklich cool, du triffst gute Menschen und lernst richtig viel oder machst sogar eine akademische Karriere. Aber selbst dann kommt es immer darauf an, was du sonst so machst. Ich will damit gar nicht sagen, dass man 24/7 seine Karriere verfolgen soll und auch die Freizeit optimiert werden soll. Wir brauchen auch alle Freizeit, die gar nichts mit einem Job zu tun hat. Aber darum geht es auch nicht. Ich bin überzeugt davon, dass es immer der richtige Weg ist, etwas zu verfolgen, für das man brennt und dabei auch eine gewisse Ernsthaftigkeit zu haben. Weil man dann dabei bleibt, seine Idee weiterentwickelt und ganz automatisch an einen Punkt kommt und denkt: Wow krass, was dadurch alles passiert ist! Hätte ich diesen Blog nicht gehabt, hätte ich mich wahrscheinlich nie mit fairer Mode beschäftigt, hätte nie meine Bachelorarbeit über ethischen Modekonsum bei Noveaux in Berlin geschrieben, wäre dann vermutlich auch nicht einfach so nach Berlin gezogen. Hätte ich nicht schon irgendwann einmal Blogtexte bei Edition F eingereicht, hätte ich meinen Job dort wohl nie bekommen und mein jetziger Job kam auch über den Blog zustande. Hätte ich all das nicht gemacht, hätte ich nie Jana und Nina kennengelernt, wir hätten nie zusammen die Fashion Changers gegründet. Man weiß am Anfang nie, was es bringt und eigentlich hätte ich schon nach wenigen Monaten Bloggen aufhören „müssen“, weil der Aufwand in gar keinem Verhältnis stand. Und auch jetzt verdiene ich damit nicht annähernd meine Miete. Trotzdem war das die beste Entscheidung. Ever.

Letztens dachte ich, dass es cool gewesen wäre, wenn mir jemand genau das alles zu Beginn meines Studiums gesagt hätte. Deswegen nun dieser Blogartikel. Auf dass er irgendwo ankommt, wo er gebraucht wird, denn eigentlich reden wir ja hier nicht nur von Side-Projekten neben dem Studium, sondern davon, was generell alles entstehen kann, wenn man etwas macht, worauf man Lust hat!

Comments (1)

  • Katja Heinemann
    Nov 12, 2018

    So ein guter Text mit so einer tollen Aussage! Mach auf jeden Fall weiter so.

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