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Wieso wir Pelz hassen und Leder lieben

Die Zeiten, in denen Pelzträgerinnen beschimpft und mit roter Farbe besprüht wurden sind größtenteils vorbei und eher in den Siebzigern anzusiedeln. Der Aufschrei in den Medien war damals groß und prominente Persönlichkeiten verurteilten das Tragen von Pelz öffentlich als unnötige Grausamkeit. Das öffentliche Bewusstsein stieg drastisch an und Pelz erfuhr seitdem überwiegend Ablehnung. In den letzten Jahren stieg der Konsum von Pelz allerdings wieder stark an. (Ströbele 2010)

Wieso ist Pelz eigentlich wieder so beliebt?

Besonders Pelzkrägen und Pelzbommel an Jacken und Mützen sind wieder beliebt. Während Konsumenten meistens weiterhin angeben, einen Pelzmantel abzulehnen, finden viele einen Kragen aus Pelz in Ordnung oder haben schlichtweg nicht darüber nachgedacht. Neben dem ethischen Aspekt, dass ein Tier ausschließlich für die Ästhetik in der Mode stirbt, bringt die Verwendung von Pelz noch viele weitere Probleme mit sich. Die Gerbung von Pelzen erfordert den Einsatz von Chrom. Bei Fehlern während des Gerbungsvorgangs kann dabei das gefährliche Chrom 6 entstehen, welches in fertigen Produkten zurückbleibt und über die Haut aufgenommen werden kann. Dies passiert insbesondere dann, wenn zu sorglos mit Chemikalien umgegangen wird oder Arbeiter nicht ausreichend geschult sind. Von all diesen Dingen wissen die meisten Gerber in China nichts. Immer wieder werden Fälle bekannt, bei denen gefährliche Chemikalien offen herumstehen und Menschen barfuß in der Gerbe- Flüssigkeit stehen. Damit nehmen sie eine extreme gesundheitliche Belastung in Kauf. Viele Gerber leiden bereits früh an Krebs und sterben an den Folgen. Die Auswirkungen des Gerbens betreffen nicht nur die Herstellung von Pelz, sondern ebenso die Produktion von Leder. Mit dem gestiegenen Konsum von Kleidung allgemein, stieg auch die Nachfrage nach Leder stark an, so dass der Bedarf nur noch schwer gedeckt werden kann und ein Großteil des Leders aus Asien bezogen wird. Hinzu kommt, dass Leder oftmals als Qualitätsargument gilt. Um neue Verkaufsargumente zu schaffen wurden zunehmend billige Produkte aus Leder gefertigt, was die billige Produktion von Leder verlangte und die Produktion ins Ausland verlagerte. (Karremann 2013)
2013 importierte Deutschland Leder im Wert von mehr als drei Milliarden Euro allein aus China. (WirtschaftsWoche 2015)
Gesellschaftlich betrachtet wird Pelz und Leder extrem unterschiedlich behandelt. Während die Verwendung von Pelz verurteilt wird, diskutiert kaum jemand die Verwendung von Leder. Dies rührt unter Anderem daher, dass Leder als Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie vermarktet wird, was nur teilweise der Wahrheit entspricht. Es gibt Leder, das aus Abfallprodukten der Fleischproduktion entsteht. Über 40 Prozent stammen allerdings aus Produktionen, in denen die Tiere ausschließlich wegen ihrer Haut getötet werden. (Stelzner 2012)

Was gibt es für Alternativen?

Lederersatzmaterialien müssen allerdings nicht automatisch der richtige Weg sein, denn Alternativen aus Plastik sind meist ebenfalls belastend für die Umwelt, aufgrund der Produktion auf Erdölbasis. Aufgrund der extremen Umweltbelastung, die durch die Ledergerbung entsteht, ist ein Kunstlederprodukt in den meisten Fällen jedoch dennoch als umweltfreundlicher zu bewerten. (Haimann 2015)

Wie weit die ethische Modeszene mittlerweile aber ist, zeigt sich auch an ganz neuen Materialien, die ohne Tierhaut und ohne Plastik auskommen. Das innovative Material Pinatex besteht aus Ananasblättern und die ersten Labels benutzen es mittlerweile, um Schuhe und Taschen herzustellen. (AnanasAnam 2016)

Quellen:

Ströbele, C. (2010). “Der Pelz ist zurück.” Zeit Online. Retrieved 30.08.16, from http://www.zeit.de/lebensart/mode/2010-03/pelz-mode-rueckkehr.

Karremann, M. (2013). Gift auf unserer Haut, ZDF.

Wirtschaftswoche (2015). “Der Tod an den Füßen.” Retrieved 31.08.16, from http://www.wiwo.de/technologie/green/giftiges-leder-der-tod-an-den- fuessen/13551714.html.

Stelzner, J. (2012). “Die voll korrekte Lederjacke.” Zeit Online. Retrieved 30.08.16, from http://www.zeit.de/lebensart/mode/2012-11/mode-bekleidung-leder-nachhaltigkeit.

Haimann, R. (2015). “Doch lieber Kunstleder?” Die Welt. Retrieved 30.08.16, from http://www.welt.de/print/wams/finanzen/article139749147/Doch-lieber- Kunstleder.html.

Ananas Anam (2016). “Introducing Pinatex.” Retrieved 30.08.16, from http://www.ananas-anam.com/pinatex/.

(Der heutige Text ist ein kleiner Auszug meiner Bachelorarbeit.)

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5 Comments

  • Reply
    Kati
    3. Dezember 2016 at 17:52

    Spannende Zusammenfassung, danke für die Recherche und Aufklärung!
    Ich lehne Pelz natürlich ab – auch an Jacken und Bommeln. Dort wird ja sogar teilweise echter Pelz als Kunstpelz deklariert, weil viele Verbraucher das eben nicht mehr wollen und Acht geben… eine Sauerei.

    Leder trage ich allerdings bis dato gerne, da Kunststoff wirklich keine Alternative darstellt. Bei Sommerschuhen zB, in die man barfuß reingeht, riecht man den Unterschied 😀 und natürlich auch wegen der Haltbarkeit. Leder wird durch die Patina nur schöner, Schuhe und Taschen aus Kunststoff fangen irgendwann das Abblättern und Zerreißen an. Pinatex habe ich auch schon länger auf dem Schirm, genauso wie Kork und Snap Pap , mal sehen, was da alles kommt, denn das klingt nach einer wirklich guten Alternative und die Haptik gefällt mir.

    Liebe Grüße,
    Kati

  • Reply
    Corinna
    29. Dezember 2016 at 23:02

    Hey Vreni, danke für den spannenden Post zu einem wirklich ganz schön wichtigen Thema. Wieso eigentlich Leder so akzeptiert ist in unserer Gesellschaft? Keine Ahnung, ich hab mich selbst auch erst vor wenigen Jahren mit der Frage beschäftigt. Wahrscheinlich weil einem von klein auf eingetrichtert wurde, dass “echtes Leder” ein hochwertiges Produkt ist – aber zum Glück habe ich mir da mittlerweile eine eigene Meinung gebildet. Und freu mich schon sehr auf die Zeit, in der Ananasleder und Co. leicht erhältlich sein werden (hoffentlich bald :)).
    Liebste Grüße, Corinna
    http://www.kissenundkarma.de

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    Céline
    23. Januar 2017 at 19:38

    spannender beitrag. auch ich finde das recht seltsam, dass leder und pelz so unterschiedlich bewertet wird.
    Um was gehts denn genau in deiner Bachelorarbeit? klingt spannend.

  • Reply
    Lary
    25. April 2017 at 9:11

    Diese Frage habe ich mir auch schön öfter gestellt. Ich kaufe Leder äußerst selten, wenn dann gebraucht. Das einzige was ich mal aus Pelz hatte war ein kleiner Igel, als ich noch ein Kind war. Damals hatte der mich total begeistert, weil er so weich war. Heute frage ich mich, warum hatte ich das Ding bloß? 😀

  • Reply
    Dani
    9. September 2017 at 17:59

    Zum einen Danke für die Quellenangaben 😉 Zum anderen sehr schön Dargestellt. Obwohl mir die Thematik bewusst war, hab ich nie den Vergleich zwischen Leder und Pelz gezogen. Persönlich lehn ich Pelz natürlich komplett ab. Leder finde ich gerade aber wegen der langen Haltbarkeit gut. Mit Alternativen habe ich bis jetzt eher schlechtere Erfahrungen gemacht und meist sind die Sachen nach einiger Zeit auseinander gefallen und sahen schäbig aus. Echtes Leder kaufe ich aber auch nur Gebraucht. Das ist aber auch noch nicht ideal. Ich bin ja der Meinung dass einer der wichtigsten Punkte in der ganzen Nachhaltigkeitsfrage der ist, dass egal was der Verbraucher kauft, das Produkt immer einen Einfluss auf die Umwelt hat. Egal ob Kunststoff oder Naturmaterialien oder speziell wie in diesem Fall Leder und Pelz. Irgendjemand, sei es Tier, Arbeiter oder Natur, zieht in der Herstellung den kürzeren. Das einzige was der Verbraucher tun kann ist also so auszuwählen dass der möglichst geringste negative Einfluss entsteht. Aber gerade dass finde ich so schwierig. Alles hat irgendwo Vor- oder Nachteile, oder aber man stolpert doch wieder über Informationen zu Materialien, die einem noch gar nicht bewusst waren. Drum fine ich aber eben wichtig sich Gedanken zu machen und so zu wählen, dass ein Produkt möglichst lange haltbar ist. Denn je länger ich etwas benutzen kann, desto weniger besteht die Notwendigkeit für etwas neues. Also werde ich weiter Leder hernehmen, wenn auch nicht vollends damit zufrieden.
    Liebe Grüße, Dani
    (ich seh gerade das mein Geschwafel viel zu lang geworden ist 😀 )

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