Wie es mir gerade wirklich in Berlin geht

Es ist 21 Uhr. Ich bin zu müde. Vom Wochenende, vom Job, von meinem Leben und von den Dingen, die in den letzten Monaten passiert sind. Bitte anhalten. Ich glaub nämlich, ich will aussteigen.

Liebeskummer also, schöne Scheiße.

Wir spulen zurück. Vor einem Jahr sah alles anders aus. Ich war gerade in Schweden und hatte eine ziemlich gute Zeit. Ich kam heim und redete von Berlin, von großen Plänen und der ganz großen Liebe. Dann war das vorbei. Nicht plötzlich, nein. Plötzlich sind solche Dinge nie. Nur überraschen sie einen dann eben doch. Weil man eben noch festgehalten hat an den Vorstellungen vom Zusammensein, weil man manche Dinge nicht wahrhaben will, bis sie nicht mehr zu übersehen sind. Natürlich hatte ich gedacht, dass ich das nicht erlebe. Man glaubt es nie – bis man dann mittendrin steckt. Liebeskummer also, schöne Scheiße.

Mein Sommer war Mist, irgendwie. Zu viel in die Leere gestarrt und zu viel Mitleid lag in der Luft. Aber auch: Getrunken, getanzt, in fremden Betten aufgewacht. Und endlich mal alleine auf einem Festival gewesen. Ein Piercing und einen neuen Haarschnitt später war ich mir sicher: Ich komme schon wieder klar. Eine Halb-Wahrheit.

Dann sitze ich plötzlich auf diesem Klischee-Palettenbett, vor mir die Kisten. Hallo Berlin. Es ist seltsam, allein zu sein. In den Trennungstexten, die ich gelesen habe, stand nicht, was ich mit der kitschigen Goldkette machen soll. Oder wer diesen Sommer mit mir in den Urlaub fährt.

Dating, verdammt, wie macht man das eigentlich?

Single zu sein ist nicht so toll, wie man mir versprochen hat. Daran ändert auch das typische „Jetzt kannst du machen, was du willst!“ nichts. Weil ich das sowieso tue, ob allein oder zu zweit. Weil Verbindlichkeiten mir nichts ausmachen. Weil Beziehungen für mich nichts mit Verzicht zu tun haben. Trotzdem: Alleinsein will gelernt sein. Und ich habe da wohl definitiv ein paar Lektionen gebraucht.

So langsam komme ich wohl wirklich wieder klar. Berlin ist immer noch scheiße riesig, mein Job immer noch scheiße anstrengend, aber Alleinsein ist mittlerweile okay. Manchmal ist da noch Wut und Traurigkeit. Aber auch das ist okay. Wenn ich in den letzten Monaten eines gelernt habe, dann: Ich kann viel mehr als ich mir jemals zutrauen würde und ich darf viel entspannter mit mir selbst sein. Es ist okay, sich scheiße zu fühlen, mal emotional zu explodieren, sich verloren zu fühlen und zu fragen, was das eigentlich alles soll. Das geht uns allen so. Es ist okay, machtlos zu sein, erstarrt im Bett zu liegen oder zu viel Zeit im selben T-Shirt zu verbringen. Naja und: Ich bin verdammt schlecht im Dating. Aber auch das wird noch. Da bin ich mir fast sicher.

Bis dahin schlürfe ich so viel guten Rotwein wie ich kann, tanze, wann immer es geht, esse nachts Pommes und verbringe meine Zeit mit all den großartigen Menschen, die sich gerade in meinem Leben rumtummeln. Vielleicht fährt ja einer von denen mit mir im Sommer weg. Ich glaube, die Chancen stehen gar nicht so schlecht.

Die kitschige Kette liegt immer noch irgendwo rum. Und ich weiß nicht mal genau wo eigentlich. Irgendwie schön.

You Might Also Like

2 Comments

  • Reply
    Jenny
    28. Februar 2017 at 11:08

    Kopf hoch, Vreni! Natürlich wirst Du jemanden für den Urlaub finden. Mit Freundinnen sind die Ferien sowieso schöner und entspannter als mit dem Liebsten 🙂 Irgendwo habe ich auch noch einen kitschigen Verlobungsring rumliegen. Wenn er alle 2 Jahre mal auftaucht, kann ich darüber lächeln und ihn wieder verschwinden lassen.

    Alles Liebe
    Jenny

  • Reply
    STRYLINKS #110 - stryleTZ
    1. März 2017 at 16:50

    […] man in einer großen Stadt ganz schön einsam sein kann, fühlt auch Vreni von Jäckle & Hösle hin und wieder. Und für dieses Gefühl des Verlorenseins hat sie wunderbare Worte gefunden, in […]

  • Schreibe einen Kommentar zu STRYLINKS #110 - stryleTZ Cancel Reply