Travel Diary

Vegan in Südamerika – Mission Impossible?

Vegan in Südamerika

Vegan in Südamerika – geht das?

Anfang des Jahres war ich in Südamerika, was eine extrem coole Erfahrung war, die allerdings einen Haken hatte: Ich hatte mich doch gerade erst dazu entschlossen diese Sache mit der veganen Ernährung endlich so richtig durchzuziehen. Da war ich also nun – frisch “plant based” und auf dem Weg in Länder, in denen selbst Vegetarier als Außerirdische gelten. Wie sollte das gut gehen?

Ich war eigentlich gerade erst aus Schweden zurück und hatte auch sonst ganz schön was um die Ohren. Soll heißen, dass ich mich wenig bis gar nicht auf die Reise vorbereitet habe und wir sozusagen ins Blaue geflogen sind. “Ach, das wird schon alles.”, habe ich gesagt. “Gemüse und Obst gibt’s doch überall genug.”, habe ich gedacht. So falsch lag ich damit zwar nicht, ganz so einfach sollte es allerdings auch nicht werden, leider.

Angekommen in Santiago de Chile musste ich mich erst einmal auf den Boden der Tatsachen setzen, denn: Mein Spanisch war futsch. Die drei Jahre Sprachunterricht in der Schule waren weg, einfach so. Danke liebes Gehirn, du hättest mich eigentlich auch vorwarnen können. Irgendwie hatte ich zuvor gedacht, dass in den Tiefen meines Hirns doch noch etwas Spanisch schlummert. Aber naja, falsch gedacht. Weil also tatsächlich die Menschen am Flughafen der Hauptstadt Chiles kein Englisch sprechen, habe ich bereits dort etwas mit Käse gegessen. Scheiße.

Vor der Reise hatte ich mir vorgenommen, mein Bestes zu geben, meine Reise aber auch nicht von der Suche nach veganem Essen bestimmen zu lassen. Dass ich aber bereits am ersten Tag Käse aß, frustrierte mich. Noch dazu wurde mir davon unendlich schlecht und ich hatte noch drei Tage danach Bauchschmerzen, wenn ich an den Käse dachte. Dazu kam, dass die vegane Ernährung für mich noch ziemlich neu war und ich mir auch teilweise zuhause noch schwer damit tat, z.B. immer überall nach Alternativen und Inhaltstoffen zu fragen, gerade wenn ich auswärts essen war. In einem fremden Land, mit einer fremden Sprache war das natürlich alles doppelt so schwierig.

Langsam aber sicher kam dann aber doch noch etwas Spanisch zurück und es funktionierte immer besser den Leuten zu erklären, dass man doch dieses oder jenes gerne ohne Fleisch, Ei, Käse oder Milch haben möchte. Nach wenigen Tagen trafen wir außerdem immer wieder supernette Menschen, die für uns übersetzt, Essen bestellt oder uns Tipps gegeben haben, wie wir an veganes Essen kommen. Das war wirklich gold wert. Auch der Austausch mit den Leuten, wieso man denn kein Käse im Essen möchte etc. war total positiv und für mich persönlich eine total gute Erfahrung.

Trotzdem gab es einige Situationen, in denen ich “nur” vegetarisch gegessen habe. Zum Beispiel als wir bei einer Couchsurfing Familie waren und sie für uns extra etwas ohne Fleisch und ohne Sahne gekocht hatten. Leider war dann ein bisschen Ei im Essen. Das war zwar nicht ganz ideal, aber es war okay. Ich finde, dass man sich trotz allem nicht zu stark unter Druck setzen sollte und seine Reise genießen sollte. Wo dieser Punkt liegt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe zu ca. 85 % vegan während der Reise gegessen, der Rest vegetarisch. Das war für mich gut so. Wenn ich heute noch einmal nach Südamerika reisen würde, würde ich wahrscheinlich 100 % vegan essen. Es geht also auf jeden Fall! Man sollte vielleicht nur ein bisschen besser vorbereitet sein als ich und evtl. auch etwas “gefestigter” in seinen veganen Ess-Gewohnheiten.

Warst du schon einmal in Südamerika? Welche Essenserfahrungen hast du gemacht?

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Augen auf bei der Getränkewahl

Ein Must-Drink in Südamerika ist Pisco Sour: Hochprozentiges mit Limette, Zucker und aufgeschlagenem rohen Ei. Urgh, richtig? Ich habe echt keine Ahnung, wieso die Südamerikaner rohes Ei in diesen Drink kippen, aber sie tun es, wahrscheinlich wegen des Schaums. Also Augen auf bei der Getränkewahl! Man kann Pisco Sour aber auch einfach ohne Ei bestellen, das schmeckt genau so gut, denn mal ehrlich: Aufgeschäumtes Eiweiß schmeckt sowieso nach nichts, schon gar nicht, wenn man hauptsächlich Alkohol, Limette und Zucker schmeckt. Noch dazu gruselt es mich bei der Vorstellung von rohem Ei in meinem Getränk.

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Smoothies, aber bitte ohne Milch

Vor meiner Reise hat ein Freund mir geraten die Smoothies lieber mit Milch statt mit Wasser zu trinken, wegen möglicher Bakterien. Man sollte mit dem Wasser auch wirklich aufpassen. Aber jetzt einfach Milch trinken? No way! Ich habe bei den Smoothie und Saft Ständen einfach darauf geachtet, welches Wasser sie nehmen, also Leitungswasser oder Wasser au geschlossenen Flaschen. In Chile sollte das auch allgemein kein großes Problem sein. Viele Menschen trinken dort sogar das Leitungswasser, auch Touristen. In den angrenzenden Ländern sollte man allerdings aufpassen. In Bolivien und Peru haben wir die Smoothies immer ohne Wasser bestellt – stattdessen z.B. mit Orangensaft. Das geht also so “Un jugo mixto, por favor. Sin leche y sin agua, pero con jugo de naranja.”, also mit Orangensaft statt Wasser oder Milch. Dafür zahlt man dann in der Regel ein bisschen mehr, aber es schmeckt super!

Vegan in Südamerika – der Crashkurs zum Ausdrucken

Damit du es zu Beginn ein bisschen leichter hast als ich, habe ich hier noch einen kleinen Crashkurs zum Ausdrucken für dich. Einfach Rechtsklick, abspeichern und drucken!

vegan in südamerika

Mehr Reisebeiträge findest du in meiner Travel Diary Kategorie.

Lust ein bisschen mit mir nach Südamerika zu kommen? Lies meine Beiträge über Valparaiso, Isla Damas, Machu Picchu und La Paz!

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6 Comments

  • Reply
    Mira
    8. Juni 2016 at 15:08

    Hey,
    Voll cooler artikel! Bin momentan in Brasilien und bin zwar nicht vegan, sondern vegetarisch und tu mir genauso schwer. ?
    Als Vegetarier bist du hier nämlich verdammt Käse zu essen, die ganze Zeit und Käse kann ich auch gar nicht mehr sehen…
    Vegan ist dann ja echt noch mal um einiges schwieriger, könnt ich mir jetzt hier in Brasilien gar nicht vorstellen dass man da irgendwas bekommen könnte in einem Restaurant oder auf der Straße… Sehr interessant auf jeden Fall ?
    Alles Liebe,
    Mira

    • Reply
      Vreni
      12. Juni 2016 at 19:08

      Hey liebe Mira,
      ich war noch nie in Brasilien, kann ja sein, dass es da noch einmal ganz anders ist!
      In Restaurants und auf der Straße war es für auch ziemlich schwierig. Ich konnte nur so oft vegan essen, weil wir oft selbst gekocht haben oder auf einem Markt bzw. in einer Markthalle und dort hatten wir glücklicherweise meistens Leute, die für uns übersetzen konnten, so dass wir uns das Essen dort dann quasi selbst “zusammenstellen” konnten. Das lief dann halt meistens auf Reis, Pommes, Avocado und Tomaten raus oder so, haha. Aber danach dann noch ein fetter Smoothie und mein Magen war glücklich 😛
      Liebe Grüße,
      Vreni

  • Reply
    Franziska
    10. Juni 2016 at 15:42

    Ich fands extrem schwierig.. habe ein Jahr in Santiago de Chile im Armenviertel gewohnt und meinen Veganen Lebensstil komplett gestrichen.. Alleine bei der Gastfreundschaft der Südamerikaner wollte ich nicht unhöflich sein. So habe ich es einfach versucht zu reduzieren.. mal abgesehen davon ist es verdammt schwer dort die ganzen Produkte zu bekommen die man sich in Deutschland immer so easy aus dem Supermarkt mitnimmt, Bio konnte man in Santiago komplett vergessen.. und ich hab verduras mit a gelernt 😉
    aber sehr interessanter Artikel! Das Heimweh nach Santiago ist wieder geweckt..
    besitos

    • Reply
      Vreni
      12. Juni 2016 at 19:04

      Hey liebe Franziska!
      Ja, einfach ist es nicht und klar die ganzen “fancy” Produkte, die man hierzulande bekommt habe ich dort auch nie entdeckt. Ich habe dann eben sehr viel Gemüse, Reis und praktisch täglich Avocadobrot gegessen. Und quasi auch täglich eine Menge Obst bzw Smoothies. Das ging dann ganz gut für mich. Auf Bio konnte ich leider auch nicht achten.
      Ich war wie gesagt total überrascht vom Verständnis der Südamerikaner. Klar gab es da auch seltsame Blicke, aber besonders die jüngeren Leute waren da total easy und haben meistens erzählt, dass sie selbst auch ein paar Freunde haben, die kein Fleisch essen. Von daher hatte ich dann nicht das Gefühl unfreundlich zu sein, wenn ich etwas nicht esse. Die Erfahrungen sind da aber bestimmt bei jedem ganz unterschiedlich (:
      Liebe Grüße <3

  • Reply
    Susann
    18. Juni 2016 at 17:19

    Hi Vreni,

    ich kann das so gut nachvollziehen! Ich war letztes Jahr in Südamerika unterwegs und da wird wirklich jede Mahlzeit zum Problem. In Brasilien habe ich mich 1 Monat nur von Reis und Bohnen ernährt (yeah)! Aber zum Glück gibt es in den Küstenregionen meist super leckere Früchte, na immerhin 🙂 Danke für deinen Einblick, das mit dem Ei im Pisco Sour war mir noch gar nicht bewusst….

    Viele Grüße,
    Susann

    • Reply
      Vreni
      29. Juni 2016 at 1:10

      Urgh ja, ich wusste das zuerst auch nicht mit dem rohen Ei, finde das so gruselig! 😀

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