Über Erwartungen, Neuanfänge und gute Vorsätze

Ach herrje, es ist Januar oder auch der Monat der beginnenden Diäten, Sportprogrammen und neuen Lebensmodellen. Nachdem alle ganz fürchterlich sentimental das Jahresende gefeiert haben, wird losgelegt, mit der Planung des neuen Ichs. Neues Jahr, neuer Anfang, neue Persönlichkeit?

Irgendwie ist es doch ziemlich interessant, wie wir mit dem Jahreswechsel umgehen. Weil der Kalender zu Ende geht, haben wir ganz urplötzlich das Gefühl wir müssten unser Leben umgestalten: Abnehmen, ein neuer Job, die Ernährung umstellen, mehr reisen und endlich der Mensch werden, der man schon immer sein wollte! Am besten alles mit der Brechstange und sofort. Die Fitnessstudios sind jetzt endlich wieder voll, die Gemüseregale leergekauft. Hach, Januar, du bist eben ein ganz besonderer Monat, ein Hoch auf die guten Vorsätze!

Wir schreiben dann Bucket-Listen für das neue Jahr. “What to do in 2016” oder so. Wir schrauben die Erwartungen hoch, denn wir wollen mehr als im letzten Jahr, wir wollen erfolgreicher sein oder dünner. Am besten beides. Irgendwie geht es aber meistens ums dünner werden. Endlich mal aussehen wie diese ganzen Fitnessmädchen auf Instagram. Gerade haben wir uns noch die Bäuche an Weihnachten vollgeschlagen und davon haben wir so ein schlechtes Gewissen. Im neuen Jahr wollen wir dann alles besser machen.

Ist das nicht verrückt? Ich meine, wir haben jeden einzelnen Tag die Chance, genau die Person zu sein, die wir sein möchten, oder nicht? Irgendwie sind wir Menschen aber so, dass wir erst einen “Anfang” brauchen, um etwas zu ändern. “Morgen”, “nächste Woche” oder eben “nächstes Jahr”. Eigentlich könnten wir uns die guten Vorsätze aber auch sparen, denn meistens wird aus morgen dann übermorgen oder überübermorgen bis die Fitnesstudios sich über das Jahr wieder langsam leeren und wir wieder Chips kaufen.

Vielleicht, ganz vielleicht sind wir ja schon ganz gut so, wie wir sind, mit ein paar Kilos zu viel und ein paar Euros zu wenig auf dem Konto. Vielleicht war 2015 gar nicht so schlecht und 2016 müssen wir uns gar nicht ins Unermessliche steigern. Naja und wenn da tatsächlich etwas ist, das uns stört, packen wir die Änderungen eben an, jeden Tag ein bisschen. Wir könnten klein anfangen, z.B. einmal die Woche Sport machen statt gleich ein Abo im Fitnessstudio abzuschließen. Mal einen Wochenendtrip buchen anstatt gleich eine Weltreise zu planen oder zum Beispiel die erste Bewerbung abschicken statt 30 auf einmal.

Ich habe also beschlossen, dieses ganze Ding mit den Neuanfängen zu lassen, denn wenn wir mal ehrlich sind, funktioniert das selten bis nie, weil unser Leben und unsere Persönlichkeiten dafür wahrscheinlich zu komlex sind. Änderungen funktionieren nicht von heute auf morgen und ich glaube, das müssen wir einsehen. Meine Güte, ich höre mich an wie eine weise Großmutter. Aber wahrscheinlich stimmt es und deswegen höre ich auf mit diesen hohen Erwartungen. Ironischer Weise ist das ein guter Vorsatz, so ganz ohne geht es wohl nie!

 

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4 Comments

  • Reply
    Charlotte
    4. Januar 2016 at 15:18

    Ich habe auch keine festen Vorsätze in dem Sinne und finde da deine Einstellung super! Bin auch schon gespannt, wieviele mich im Fitnessstudio erwarten werden 😀 Aber ich denke mir Dinge wie: Dieses Jahr würde ich gerne diese Länder sehen… usw.

    PS: Happy New Year!
    Liebst, Charlotte von Come as Carrot

    • Reply
      Vreni
      8. Januar 2016 at 22:26

      Oh ja, Reisen sind natürlich immer tolle Vorsätze! <3

  • Reply
    Kea
    8. Januar 2016 at 19:08

    Liebe Vreni, ich finde ihn gut, deinen Anti-Vorsatz – diese ständige Perfektionierungssucht äußerlicher ( schon seit langem) und auch innerlicher ( neuer, gruseliger Trend) Art finde ich ganz schrecklich. Wenn es nach mir geht, dann brauchen wir wieder ein paar normale Menschen – eben genau, wie du beschreibst, mit ein paar Kilo zu viel, ein bißchen Kohle zu wenig, mit Flecken auf der Bluse und einem schiefen Schneidezahn. Die nicht immer alles hinkriegen und die sich trotzdem ziemlich gern mögen. In diesem Sinne: Auf ein unperfektes 2016! 🙂 Liebe Grüße! Kea

    • Reply
      Vreni
      8. Januar 2016 at 22:29

      So ist es, danke für deinen Kommentar! Liebste Grüße, Vreni <3

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